Samstag, 29. November 2014

Tagebuch einer Arbeitslosen: Arbeitnehmer sind unverschämt!

Zurzeit nehme ich an einem Kurs teil, den mir mein supercooler PB vom RAV Meilen mit aller Kunst aufgeschwätzt hat. Es lohnt sich wirklich, diese "Wie schreib ich nen Lebenslauf"-Kurse zu besuchen. Man wird zwar ein wenig gedrillt, so fühlts sich für mich jedenfalls an, aber der Mist gelangt tatsächlich in den Kopf und vor allem: Man bekommt tatsächlich ein Gefühl dafür, wie man diese nervige Sache angehen und individuell gestalten kann.

Im Laufe des Seminars hörte ich echte Schauergeschichten über Personalberater des Arbeitsamts. Das Hauptproblem mit den PBs ist, dass sie weder mit Zeit noch mit Mitteln gesegnet sind. Teilweise scheinen sie auch noch minderbemittelt zu sein. Ein PB strich einem Arbeitssuchenden fast einen Monat lang die Zahlungen, weil er ein Dokument zu spät eingereicht hatte. Keine Diskussion. Ein anderer beriet eine Arbeitssuchende falsch, weil er trotz mehrmaligen Versuchen zur Aufklärung ihren Beruf falsch einordnete. Nun hat sie einen Job gefunden, der drei Wochen dauert. Der PB jedoch ist der Meinung, dass der Job nicht zählt (obwohl bezahlt). Was das für Folgen haben wird, ist noch unbekannt. Der PB könnte ihr zum Beispiel Steine in den Weg legen, indem er sie zu irgendeinem weiteren Kurs oder einem Termin zwingt, der in der Zeitspanne ihres Jobs (in den Bergen) liegt.

Eine Kursteilnehmerin musste einen Job absagen, weil der PB sie zum Kurs zwang, obwohl sie ihm mitgeteilt hatte, dass mehrere Kurstermine unpässlich waren, weil Job.

Solche wahre Geschichten tun weh. Und sie müssen erzählt werden. Es gibt auch gute wahre Geschichten, die durch den Austausch der Kursteilnehmer zustandekommen. Eine Kursteilnehmerin hat mich auf einen Job aufmerksam gemacht, der für mich interessant sein könnte. Zudem würde sie mir das Nähen (mit der Nähmaschine) beibringen. Das möchte ich schon lange lernen! Wie könnte ich mich da revanchieren? Bin ja zum Geben bereit. Ich habe jedenfalls zwei Teilnehmerinnen geholfen mit der Korrektur ihres Lebenslaufs.

Im Kurs werden Situationen durchgespielt, die auf der Jobsuche vorkommen. Und der Lebenslauf, der muss ja picobello sein. Doch gibt man dort auch an, ob man Kinder hat? Spielt es eine Rolle, ob man ledig, geschieden oder versklavt (verheiratet) ist? Meiner Meinung nach geht es niemanden an, ob ich Kinder habe. Das ist privat. Ich stelle ja nur meine Arbeit zur Verfügung (arbeitGEBER) und der andere will sie (arbeitNEHMER). Also muss er sagen, ob Haben oder NICHTHABEN. Man muss sich mit dem ArbeitNEHMER auf dieselbe Stufe stellen. Sonst geht noch mehr Respekt verloren. Es ist schon zu viel passiert!

Aufgrund meiner Erfahrungen auf dem Arbeitsmarkt habe ich beschlossen, mir mehrere Jobs zu suchen, die mir Abwechslung verschaffen, auch auf körperlicher Ebene. Das viele Sitzen und die viele Kopfarbeit haben meinen Rücken ruiniert. Ich lebe seit Jahren mit Schmerzen. Gerade habe ich ein Natron-Bad (100 g Natron auf ein Vollbad) genommen. Momentan sind die Schmerzen fast weg. Scheint zu helfen! Aber nur punktuell...

Die junge arbeitslose Dame, die vom Restaurant Steinburg keinen Beleg über ihre Probearbeit bekommen sollte, hat erneut etwas Unerhörtes erlebt in der Gastroindustrie (Magen-Industrie). Man wollte ihr Trinkgeld einsacken und ihr noch einen Diebstahl in die Schuhe schieben. Eine Angestellte, die für andere Tische zuständig war, hatte nämlich bewiesenermassen einen Tisch der Probearbeiterin abkassiert und dies für sich behalten trotz Nachfrage. Die Gäste waren bereit, dies zu bezeugen. Doch ihr verging so schon am ersten Tag die Lust, für diesen Betrieb zu arbeiten. Sie stellte den Chefs die Bedingung, dort zu arbeiten, wenn sie sich von der diebischen Angestellten trennen würden.

Zu lange schon ist sie in der Gastroindustrie, um sich solche Spielchen gefallen zu lassen, und statt enttäuscht zu sein versucht sie in einem anderen Bereich unterzukommen. Gastro ist für sie gelaufen.

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