Dienstag, 11. November 2014

Tagebuch einer Arbeitslosen: Die Nase voll vom Schnuppertag

Da hing ich im Restaurant Bahnhöfli in Meilen und kam mit einer jungen Frau ins Gespräch. Sie durfte einen Tag probearbeiten in einer Zürisee-Gemeinde namens Küsnacht. 

Das Restaurant heisst Steinburg und dekoriert sich mit so einer Pneumarke namens Michelin. Also super Küche mit Sternen. Die Servierdame lief an einem Mittwoch dort auf und wollte arbeiten. Doch die Chefin, Frau Van der Laan, schickte sie zurück mit der Begründung, sie hätte keine Zeit für die junge Dame, und verschob die Chose auf den Freitag. "Am Ende des Probetags brauche ich von Ihnen eine Bescheinigung fürs Arbeitsamt", ließ die Anwärterin sie noch wissen. Das ginge in Ordnung. 

Am Freitag also tat sie ihren Dienst im Bistro des Restaurants Steinburg. Frau Van der Laan ließ sich nicht blicken. Sie war jedoch nicht allein. Eine Angestellte schaute ihr auf die Finger. Die Anwärterin war erstaunt darüber, dass es im Bistro keinen Wasserhahn gibt. Die Karaffen für Trinkwasser müssen auf der Toilette gefüllt werden. "Wie sieht denn das aus, wenn ich mit einer Karaffe voll Wasser aus der Toilette herauskomme?", fragte sich die Anwärterin. 

Frau Van der Laan hatte sich keine Sekunde blicken lassen, die Bistro-Mitarbeiterin kann übrigens alles bezeugen. Am Ende ihrer Probearbeit suchte die Anwärterin Frau Van der Laan, um sich zu verabschieden und ihre Bescheinigung fürs Arbeitsamt abzuholen. Da war sie auch schon und half einer Frau beim Hochtragen eines Kinderwagens. Die Anwärterin sah, dass sie dabei gerade einen Notenständer umwarf. "Halten Sie den Notenständer fest!", rief die Anwärterin und schnappte sich das Gestänge, das sich einen Weg in den Kinderwagen suchte. Dann begleitete die Anwärterin Frau Van der Laan ins Büro, wo sie das Thema Bescheinigung ansprach. "Jetzt nicht", war ihre knappe Antwort. "Warum nicht? Sie könnten es doch jetzt schnell ausdrucken." – "Die Hunde kommen gleich, Sie müssen gehen!" Wie bitte? Die Anwärterin beharrte weiter auf ihre Bescheinigung, was die gereizte Frau durchschmoren ließ: "Raus hier!", rief sie. Und "die Hunde" kamen. 

Dies ist nur eine von vielen Storys, die die Anwärterin im Laufe ihrer Jobsuche erlebt hat. Ich wünsche ihr weiterhin viel Glück und Erfolg bei der Jobsuche. 



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