Donnerstag, 10. Juli 2014

KLOMUNE: Out of Switzerland



Ausweis zeigen? Wer muss hier 
langsam sagen, wer er wirklich ist? 

Out of Switzerland muss man übersetzen mit "Raus aus der Schweiz". Wer hier lebt und Herz und Verstand hat, will die Schweiz früher oder später verlassen. Das ist eine logische Konsequenz. Dieses Land ist wie alle anderen auch eine Firma mit einer gnadenlosen Bürokratie. 

Die Schweizer Bürokratie ist ganz besonders gnadenlos. Gaaaanz besonders dann, wenn man an diese flaschen gerät, ähm, wenn man an die falschen gerät. Die meisten Büro-Krapfen sind leider Flaschen. 

Die flotte Frau von neulich erzählte mir gestern ihre Geschichte von einer verrückten Begegnung mit der Polizei. Vor einigen Tagen hatte die Frau Besuch und sass bis 1 Uhr nachts mit ihren Freunden auf dem Balkon und es wurde getrunken und geklönt, doch niemand fuhr besoffen Auto oder warf irgendwelche Gegenstände vom Balkon oder raubte das Volk aus (wie diese Bankräuber, die sich Banker nennen). Auch setzte niemand Menschenleben aufs Spiel für den Bau eines Fussballstadions oder drehte dem Volk das Wasser ab, weil gerade WM ist (Brasilien, nech). Nein, diese Menschen auf dem Balkon waren einfach zu laut, weil die Herren Arschitekten so gebaut haben, dass es scheinbar hallte bei der entfernten Nachbarin, die zu faul war, um einfach ihr Fenster zu schliessen, denn die Nacht war warm, aber nicht heiss. Ich gehe davon aus, dass die Petzliese eine Frau war, weil Männer viel gröber sind und die Unfreundlichkeit oder im besten Falle Chuzpe besitzen, mal aus dem Fenster zu rufen oder anzurufen, um Ruhe zu erbitten. Nein, die feige Sau rief die Firma Kantonspolizei, die solche Sachen regelt. Auf denen ihrer Website steht:

"Nur wer sich sicher fühlt, fühlt sich auch wohl.* Dazu braucht es Vorschriften und Gesetze, die das Zusammenleben regeln – und es braucht jemanden, der diesen Vorschriften und Gesetzen Nachdruck verschafft. Diese Aufgabe übernimmt die Kantonspolizei Zürich im Auftrag der Regierung und damit der Bevölkerung.
Die anspruchsvolle Aufgabe der Kantonspolizei Zürich besteht darin, bei grösstmöglicher individueller Freiheit ein hohes Mass an Sicherheit für alle zu gewährleisten.
Die Kantonspolizei Zürich setzt sich neutral, kompetent und vertrauenswürdig für die Sicherheit der Bevölkerung ein."


* "Wer sich sicher fühlt, fühlt sich auch wohl." Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Sicherheit ist wie eine gefährliche Droge. Diese regulierte Sicherheit führt dazu, dass die Menschen nicht mehr miteinander kommunizieren, sondern alles Staat und Polizei, also diesen profitorientierten Firmen überlassen. Wer permanent Mitmenschen als "Sicherheitsrisiko" und nicht als Menschen betrachten kann, kann sich doch nicht wohlfühlen, das ist unlogisch. Also wenn man mich fragt, ich fühle mich absolut nicht wohl mit der zunehmenden Pseudo-Sicherheit, die unseren Alltag immer mehr einschränkt. Mit den vielen Überwachungskameras, mit den vielen Bildschirmen in Bahnhöfen und Strassenbahnen, auf denen irgendwelche Pseudo-Nachrichten laufen, die sie uns verkaufen wollen. Ob wohl hinter diesen Bildschirmen auch Kameras installiert sind? 

Die Polizei kam also und war auch bereit, wieder abzuziehen. Aber unter einer Bedingung: Sie wollten einen Namen von den Balkonmenschen. Für ihre Unterlagen, für ihren Aktenberg. Der lauteste Gast, er war für einen Tag zu Besuch aus Frankreich, war bereit, seinen Namen zu nennen, aber er war nicht schnell genug und schwätzte eine Runde mit den Firmenangestellten der Polizei, die angeblich laut Text oben sogar angeblich für (für!) die Bevölkerung arbeitet und auf grösstmögliche individuelle Freiheit wert legt. Fragt sich nur, für wen diese "grösstmögliche individuelle Freiheit" gilt. Die Dame begehrte auf, sie sagte Nein und flitzte aus dem Haus, um sich verhaften zu lassen. Denn das war angeblich laut dem eifrigen Beamten Ruckstuhl die Konsequenz der Verweigerung der Herausgabe eines Namens. "Sie werden keinen Namen bekommen. Ich nehme meine Gäste in Schutz. Ausserdem kann ich gar nicht glauben, dass Sie wirklich Personalien brauchen. Ihre Warnung reicht für uns vollkommen. Wir sind leise und die Sache ist erledigt." Nein, dem war nicht so. Herrn Ruckstuhls Antwort lautete: "Sie sind peinlich, einfach nur peinlich. Was Sie machen, wird teuer, sehr teuer." Dann tuschelte er mit seinem Kollegen und der tätigte einen Anruf. 

Die Dame diskutierte weiter mit dem langen, blonden Ruckstuhl. Seine strengen Gesichtszüge versteinerten sich immer mehr. "Sie sind peinlich", wiederholte er mantrahaft. Haft, das stand ihr nun tatsächlich bevor. "Zeigen SIE mir doch Ihren Ausweis, Herr Ruckstuhl." - "Das muss ich nicht, meine Uniform reicht." - "Wenn Ihre Uniform reicht, dann reicht auch meine Kleidung als Ausweis. Ich bin ja schliesslich nicht nackt. Ich stehe vor Ihren Augen. Das reicht. Und ich versichere Ihnen, dass wir keinen Lärm machen." - "Dafür ist es zu spät. Sie werden die Nacht im Gefängnis verbringen." - "Sie sind es doch, der mich hier mitten in der Nacht anquatscht. Ich möchte deshalb Ihren Ausweis sehen. Haben Sie ihn etwa nicht bei sich, wo liegt Ihr Problem?" Nach einigem Herumdiskutieren wurde es der Dame zu viel. "Also gut. Ich gehe jetzt rein und hole meinen Ausweis und fertig", sagte sie. "Nein, Sie können nicht mehr ins Haus", antwortete der Volks-Angestellte und stellte sich ihr mehrmals in den Weg. Auch ihr Handy nahm er ihr ab, mit dem sie das Gespräch zu ihrer Sicherheit aufnehmen wollte. Sie fühlte sich offensichtlich nicht sicher in der Gegenwart von Herrn Ruckstuhl und seinem fleissigen Kollegen. 

Der Streifenwagen kam. Einer der Beamten vom Streifenwagen war etwas aufnahmefähiger. Sein Name war Schenker. Doch er hatte sich ebenfalls nicht ausweisen wollen. Er war jedoch kommunikativer und höflicher (keine Spur von abschätzigen Bemerkungen), wenn bei der Firma Polizei überhaupt von Kommunikation die Rede sein kann. Da brach es aus der Frau heraus: "Okay, ich gebe zu, dass ich gepokert habe. Weil ich Ihnen bis jetzt nicht geglaubt habe, dass Sie wegen Lärm jemanden ins Gefängnis stecken. Und dass Sie Ihren Ausweis nicht zeigen müssen, obwohl Sie ihn dabei haben, erstaunt mich. Nun sehe ich: Sie sind tatsächlich bereit, mich ins Gefängnis zu stecken wegen einem Blatt Papier. Und das ist echt schade." 

Sie liess sich ihren Ausweis vom Balkon herunterwerfen, die Polizisten fielen über das Dokument her und begannen es eifrig im Taschenlampenlicht zu betrachten und schrieben alles fleissig ab. Dann wollten sie der Frau ihre Rechnung in die Hand drücken. 150 Franken für Ausweisverweigerung. "Nein danke, die können Sie mir mit der Post zuschicken. Ich fasse das Ding nicht an", sagte sie und wurde freigelassen. Als sie ging, hörte sie, wie die Männer, sie waren zu fünft, hämisch lachten. "Ich wünsche euch noch viel Vergnügen mit eurem Scheissjob", dachte sie bei sich und ging ins Bett. 

Der Gast aus Frankreich hatte am nächsten Abend ein Geschäftsessen und kam spät heim. Unterwegs hatte er enormen Harndrang, hielt es nicht mehr aus und musste sein Geschäft verrichten. Es war 1 Uhr nachts, da schrie ihn ein Mann aus einem Fenster an, was er denn da für eine Sauerei mache. Ja, hol doch die Polizei! Der Gast aus Frankreich mit Harndrang ist übrigens ein Schweizer, der es in der Schweiz nicht mehr ausgehalten hat. Er lebt seit vielen Jahren in Frankreich. Auf seine Rückreise soll er sich sehr gefreut haben. 

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