Sonntag, 6. April 2014

KLOMUNE: Die vom Planeten Vega kommen


Medienschelte

Schuldenfreiheit im Patriarchat?

Seit zirka drei Jahren bin ich Veganerin. Weil ich die Dinge nicht nehmen kann, wie sie sind. 

Was mich überrascht, ist der neuerliche Hype um den Veganismus. Früher gabs komische Trends wie Rohkost oder Makrobiotik. In der Zeit war ich noch bewusste Fleischfresserin. Wegen dem BSE-Skandal habe ich ein Jahr lang kein Fleisch gegessen. Doch dann warf ich die Flinte ins Korn. «Ach, was solls, mir schmeckts und ich fresse wieder Fleisch. Hauptsache bio.“ Ernährung war in meiner Zeit ein ziemlich unbekanntes Gebiet und auch heutzutage lernt man in den Schulen von Darth Vader, ähm, Vater Staat, nix über gesunde Ernährung. Die Kids essen Döner oder Burger, trinken Zuckerwasser (Red Bull) und sind entsprechend drauf. Man ass früher, was auf den Tisch kam. Und meine Eltern kochten auch Fleisch, womit ich bis auf falschen Kaviar – also diese ekligen Seehasenrogen –, Hirnsalat und Fischaugen (unter Gourmets angeblich sehr beliebt)  total gut mithielt. Ich liebte Innereien und ass sogar heimlich rohes Fleisch. Doch irgendwann war Schluss damit. 
Den Punkt, an dem Fleisch für mich endgültig tabu war, habe ich sicher nicht «erlesen» oder erreicht mit der albernen Propaganda in Gratisblättern oder Frauenmagazinen, die vorgeben, dass ihnen neben anderem – nämlich unbezahlbaren geilen Klamotten und Luxusartikeln – meine Ernährung wichtig wäre. Und auch Freunde haben mich da nicht beeinflusst. Vegetarier waren mir egal. 
Noch ein Wort zu diesen Frauenbildern, die in den Medien vermittelt werden: Blitzdiäten für eine geilere Figur haben etwas Masochistisches an sich und sind reinste Psychofolter der Textilindustrie und des Patriarchats, das das Selbstwertgefühl der Frauen systematisch zerstört, bis sie sich in Fitnessstudios quälen und jemanden heiraten und Kinder machen, damit die Zahl der Sklaven in der Arbeitswelt bloss nicht sinkt, sondern eher steigt. Weil wir in einer Wachstumslüge leben, die von geldgeilen Menschen geschaffen wurde und von Regierungen aufrechterhalten wird. Gleichzeitig steigt die Arbeitslosigkeit und die Unzufriedenheit, die zusätzlich kleinhält. Diese Leistungsgesellschaft ist krank. Es ist nicht möglich, jedenfalls unter den bestehenden Verhältnissen, dass wir immer voll funktionieren und dass alle glücklich und zufrieden leben werden, wenn sie alles richtig machen im Leben. Wir müssen uns von der Idee, dass jeder einen Job haben muss, um zu überleben, endgültig verabschieden und die Illusion vom Geld mit einem Schuldenschnitt und bedingungslosem Grundeinkommen als erstem Schritt zerschlagen. Erst dann könnte sich diese Geilheit auf Bullshit-Jobs endlich in Entspannung und Freude verwandeln.
Jetzt gehen die Pferde mit mir durch. Zurück zum Thema. Das mit dem Veganismus kam bei mir von tief innen drin. Unhalluzinatorisch. Ich hörte keine Stimme und auch keinen Muezzin. Sondern las ein Buch von Zen-Meister Thich Nhat Hanh. Beim Lesen einer Geschichte über zwei Eltern, die mit ihrem Kind die Wüste überqueren mussten, kam meine Wende. Die beiden assen ihr Kind, um zu überleben. Und für mich war in diesem Moment das Fass echt übergelaufen. Ich rühre Fleisch nicht mehr an. Ich finde es im wahrsten Sinne des Wortes zum Kotzen. 
Seit einigen Monaten sind die Veganer unter die beschlagene Lupe der Medien geraten - neben anderen beliebten Themen wie Problem-Jugendlichen, albernen Stadtratswahlen und anderem Plimplam-Zeug, das nichts verändert, sondern nur unterhält. Man stürzt sich also neuerdings auf die Veganer. Eine vegane Eisdiele hier, ein veganer Supermarkt dort. Dann gibts da noch die "Veganerszene", wo die traurige Kindsmörderin Katharina Katit-Stäheli (diese Frau würde ich nur zu gern interviewen, obwohl das sicher ziemlich hart ist) zeitweilig abgetaucht war vor ihrer Verhaftung. Der Titel "VeganerSZENE" implizierte, dass Veganer etwas Militantes an sich haben, sich versammeln und ähnliches.
An diesem Thema hängt viel mehr dran, doch darüber wird nicht berichtet. Ist es die Angst der Ernährungsindustrie, dass ihre teuren Tiere nicht mehr von Interesse sein könnten? Fleisch ist zwar spottbillig zu haben, aber die „Produktion“ ist einfach sauteuer, auch wenn man von den Zahlen (Nochmals: Geld ist eine Illusion) absieht. 
Oder möchte man uns ablenken von wichtigeren Themen wie Nestlé, die Hightech-Nahrung entwickeln, die auf Krankheiten zugeschnitten ist und in Supermärkten angeboten werden soll? Oder von der Geldmache mit Wasser und anderen «Rohstoffen», deren CEOs kleinen Schweizer Kaffs ordentlich, aber immer noch zu wenig angesichts der Profite, die sie machen, in die Gemeindekassen spülen? Kann man den ökonomischen Schaden, den solche Firmen verursachen, überhaupt in Zahlen messen und, Gott bewahre, überhaupt mit Geld wiedergutmachen? Oder will man uns von unserem eigenen Irrsinn, zum Beispiel unserer unerhörten Bereitschaft, im eigenen Müll zu ersticken, ablenken? Oder vom Genfood? Oder von dem vielen krebserregenden Zucker, Fett (Margarine ist fast sowas wie Plastik) und der Milch von gequälten Eutern, die oft in allen möglichen Nahrungsmitteln, auch da, wo mans nie vermuten würde, vorkommen? All dies unter dem Deckmantel der Firma Schweizerische Eidgenossenschaft und anderer Firmen, die weltweit Menschen dominieren und dirigieren, um zu profitieren? Die armen Tiere! So, wie wir unsere Tiere behandeln, so behandeln die über uns "herrschenden" uns selbst. Es wird höchste Zeit, dass hier mal das System resettet wird. Einfach Neustart drücken. Bei sich selbst. Der Rest kommt von selbst. 
Ich esse übrigens am liebsten zu Hause. Und wenn ich doch mal auf Reisen bin, muss ich mein Essen selbst mitnehmen. Im Notfall ist eine Avocado sehr nützlich. Am schlimmsten ist es auf dem Land. Dort wimmelt es von Wurstsalat, Speck und anderem Zeug. 


Tipp des Tages: Lebe lustig, lebe froh. Wie der Mops im Haferstroh.

1 Kommentar:

  1. http://www.theguardian.com/world/2014/apr/07/infected-meat-food-inspectors-warning?CMP=EMCNEWEML6619I2

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