Samstag, 17. November 2012

WIR sind das Volk

Wollt ihr …?

Ich frage mich manchmal leise, heute mal ein bisschen lauter: Wollt ihr uns eigentlich zu Gewalt zwingen? Wollt ihr, dass wir uns angestachelt durch die Tatenlosigkeit von Politik und Wirtschaft zusammentun und sämtliche Mauern einreißen, unsere gute Erziehung über Bord werfen und aufhören, das System mit unserem Gehorsam zu unterstützen? Wenn wir das täten, Gott behüte, dann wären wir ein paar mehr als damals die Baader-Meinhof-Gruppe und die Rote Armee Fraktion. Wir wären sehr viele. So viele wie gestern in Athen und heute in Barcelona. Das europäische Volk wird mit Polizei- und Waffengewalt in die Schranken gewiesen. Aber es sind so viele und seit so langer Zeit, dass ich es tatsächlich wage zu sagen: Vater Staat, du hast schon verloren. Du kannst nur noch parieren. Steh auf, du Schwein, und tu was Gutes. Es sind deine letzten Atemzüge. Sprich ein Gebet und mach endlich die Äuglein zu. Gehorsam und Skaverei, Kindsraub, Waffen- und Menschenhandel sind out. Vater Staat, du bist ein einziger Burnout und steckst immer noch Menschen, die zu viele Fragen stellen, in Anstalten, und du verbrauchst anständige Leute, die etwas ändern möchten und in die Politik gehen, indem du sie korrumpierst und verdirbst. Vater Staat, du bist nur ein Symbol für tieferliegenden Schlamm, den ich der Einfachheit halber mal die Dunkelmacht oder von mir aus Darth Vader oder neuerdings Mickey Mouse nenne. Du pumpst uns voll mit Genfood, traurigem Fleisch und vergifteten Worten und Bildern in den Medien. Du willst uns klein halten. Du glaubst, du hättest alle Kanäle in der Hand. Doch es gibt noch andere Kanäle. Die funktionieren unabhängig und ausserhalb deiner Reichweite. Ich möchte nicht mehr gehorsam sein, weil ich sehe, für wie dumm wir verkauft werden. Arbeitssklaven sind wir. Schuften uns ab und haben keine Zeit, die Knete auszugeben. Oder wir arbeiten uns krumm und bucklig, um Alimente an Kinder zu zahlen, die sich McDonald's-Dreck, bescheuerte Fernsehsendungen und beschissene Schulbildung hereinziehen ohne die Möglichkeit, ihre Talente auszubauen. Musikunterricht ist zu teuer, alles ist von Geld abhängig. Die Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln ist unerträglich, weil jeder nur über Geld spricht.

Seit Monaten schlachtet ein Diktator in Syrien sein Volk ab. Gestern wars Libyen. Und wir schauen zu. Seit über einem Jahr und schon vorher, als die Straßenkämpfe in der Pariser Banlieue ausbrachen, stellt sich der Staat gegen sein Volk und erklärt es für dumm. In Athen wurde 2008 ein jugendlicher Demonstrant erschossen* (und vor einem Monat starb ein Mann in Griechenland an den Folgen eines Tränengaseinsatzes**). Haben wir das schon vergessen? Wer ist der Nächste, der erschossen und vergessen werden soll? Niemand. Nicht ich, nicht du und auch nicht dein Nachbar, selbst wenn er ein Arschloch sein sollte. Niemand sollte mehr an seinem Bankkonto gemessen werden. Alle haben dieselben Rechte, und sie haben das Recht auf Individualität. Nicht jeder will Golf spielen. Wer will, der soll. Nicht jeder will Arbeiten. Wer will, der soll doch! Nicht jeder Asylant will untätig herumlungern und in den Arsch getreten werden für ein Dach überm Kopf. Jeder hat ein Geburtsrecht, ein Existenzrecht. Und da hat Geld nichts verloren. Geld ist nicht mehr in Mode. Die neue Währung heisst Liebe, Freiwilligkeit, Gleichheit. Freut euch auf den Anfang, es ist unsere letzte Chance.

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* 07.12.2008 Ort: Importartikel  
Demonstration Der Tod eines 15-Jährigen bei Zusammenstößen zwischen Autonomen und der Polizei in Athen hat in Griechenland in der Nacht zum Sonntag die schwersten Auschreitungen seit mehr als 25 Jahren ausgelöst.

Der Jugendliche war am späten Samstagabend durch eine Polizeikugel getroffen worden. In der Hauptstadt Athen warfen jugendliche Demonstranten daraufhin Brandsätze, demolierten Autos sowie die Fensterscheiben von Banken und Geschäften.
Danach weiteten sich die Unruhen, die bis in die Morgenstunden des Sonntags dauerten, auf die zweitgrößte Stadt Thessaloniki aus. Auch in Komotini und Ioannina im Norden des Landes gab es wie auf der Mittelmeerinsel Kreta und in der Hafenstadt Patras Ausschreitungen. Die Polizei setzte Tränengas ein. Nach ersten Schätzungen der Feuerwehr wurden allein in Athen 60 Geschäfte, 16 Banken und mindestens 40 Autos demoliert.
Ein 37 Jahre alter Polizist, der den tödlichen Schuss abgegeben haben soll, bekräftigte, er habe lediglich drei Warnschüsse abgefeuert. Einer davon habe den Jugendlichen als Querschläger getroffen. Zuvor habe eine Gruppe Autonomer seinen Streifenwagen, in dem er zusammen mit einem Kollegen gesessen habe, mit Steinen angegriffen. Die beiden Beamten hätten versucht, die Randalierer festzunehmen, hieß es.
Augenzeugen sehen es anders:
Nach Darstellung von Augenzeugen soll es jedoch nur zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen den Autonomen und der Besatzung des Polizeiwagens gekommen sein. Anschließend habe der Polizist direkt in die Richtung des Jungen geschossen. „Es war kaltblütiger Mord“, meinte ein Augenzeuge im Radio. Der griechische Staatspräsident Karolos Papoulias übte indirekt Kritik an dem Vorgehen der Polizei. Die Rechtstaatlichkeit sei durch diese Ereignisse verletzt worden.
Die Behörden leiteten Ermittlungen ein. Die beiden Beamten wurden vorläufig festgenommen. Innenminister Prokopis Pavlopoulos wies vorschnelle Schuldzuweisungen zurück und erklärte: „Wir warten auf die gerichtsmedizinischen Ergebnisse.“ Die Verantwortlichen würden zur Rechenschaft gezogen. Ministerpräsident Kostas Karamanlis sprach der Familie des Opfers sein Beileid aus. Ein Rücktrittsangebot des Innenministers lehnte er ab. Ausschreitungen solchen Ausmaßes hatte es zuletzt 1983 in Griechenland gegeben. Auch damals war ein 15- jähriger durch Schüsse eines Polizisten in Athen getötet worden.

** Wi
e mehrere Quellen unabhängig von einander bestätigen ist heute während der Demonstrationen in der griechischen Hauptstadt ein Demonstrant mutmaßlich an einer Herzattacke gestorben. Die Polizei setzte wie bei den vorhergehenden Demonstrationen der letzten Jahre massiv Tränengas ein. Ersten Berichten zufolgestarb der Mann im Zuge eines solchen Tränengas-Einsatzes.In Thessaloniki, der zweitgrößten Stadt Griechenlands, demonstrierten ca. 17000 Menschen gegen die Sparprogramme der Regierung.


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